Gerade für den Gebrauchtmarkt ist das interessant: Mit einem neuen, modernen Adventurebike im A2-Segment entsteht zusätzliche Konkurrenz für etablierte Modelle.
Sie soll oberhalb der erfolgreichen Himalayan 450 positioniert werden und stärker auf Touren und lange Strecken ausgelegt sein. Aktuelle Aufnahmen zeigen bereits ein weitgehend seriennahes Motorrad.
Damit könnte Royal Enfield in ein Segment vordringen, in dem heute unter anderem Mittelklasse-Enduros von BMW, Honda, Yamaha und KTM um Käufer kämpfen.Sollte Yamaha tatsächlich eine größere Ténéré präsentieren, dürfte vor allem der Gebrauchtmarkt der Ténéré 700 interessant werden. Denn bei einem größeren Nachfolgemodell vergleichen Käufer automatisch Preis, Leistung und Ausstattung der bisherigen Modelle.
Bei Ducati ist die Entwicklung dagegen schon weiter: Die neue Monster-Generation nutzt den 890-cm³-V2 und ist bereits als aktuelles Modell erhältlich. Auch die neue Streetfighter V2 basiert auf dieser Motorengeneration.
Trotzdem kann eine Premiere den Gebrauchtmarkt beeinflussen.
Der Grund ist einfach: Käufer vergleichen.
Angenommen, ein neues Modell kostet als Neufahrzeug 13.000 Euro und bietet gegenüber dem Vorgänger einen moderneren Motor, mehr Leistung, bessere Elektronik oder ein deutlich überarbeitetes Fahrwerk. Dann wird ein drei oder vier Jahre altes Motorrad plötzlich stärker mit dem neuen Modell verglichen.
Das kann den Preis des Vorgängers unter Druck setzen.
Besonders deutlich wird dieser Effekt, wenn ein Hersteller nicht nur ein Facelift präsentiert, sondern eine komplett neue Modellgeneration auf den Markt bringt.
Das Motorrad ist weiterhin das aktuelle Modell und wird von Käufern entsprechend wahrgenommen.
Ein Käufer, der beispielsweise 12.000 Euro für ein gebrauchtes Motorrad ausgeben möchte, kann sich fragen:
"Soll ich jetzt kaufen oder lieber noch ein paar Monate auf das neue Modell warten?"Allein diese Überlegung kann die Nachfrage nach dem bisherigen Modell reduzieren.
Jetzt können Käufer den Vorgänger direkt mit dem neuen Modell vergleichen.
Je größer der technische Unterschied, desto größer kann der Druck auf die Gebrauchtpreise des Vorgängers werden.Denn plötzlich steht beispielsweise ein gebrauchtes Motorrad für 10.500 Euro neben einem neuen Modell für 13.000 Euro.
Der Preisabstand muss aus Sicht des Käufers attraktiv genug sein.
Ist er es nicht, muss der Verkäufer des gebrauchten Motorrads möglicherweise mit dem Preis nach unten gehen.
Ein Vorgänger kann sogar weiterhin sehr gefragt sein, wenn er beispielsweise:
Auch die Verfügbarkeit spielt eine Rolle.
Ist das neue Modell lange nicht lieferbar, können gute gebrauchte Exemplare des Vorgängers weiterhin interessant bleiben.Ein Motorrad kostet neu 15.000 Euro. Nach drei Jahren werden vergleichbare gebrauchte Exemplare für etwa 10.500 bis 11.000 Euro angeboten.
Dann erscheint eine neue Generation.
Der Hersteller verlangt für das neue Modell 16.000 Euro und bietet dafür einen neuen Motor, mehr Elektronik und eine umfangreichere Ausstattung.Plötzlich müssen sich Käufer entscheiden: 10.500 Euro für das gebrauchte Vorgängermodell oder 16.000 Euro für die neue Generation?
Der Gebrauchtpreis muss nicht sofort einbrechen. Aber die Verhandlungsposition des Verkäufers kann sich verändern.
Vielleicht werden aus den bisher erzielbaren 10.500 Euro nur noch 10.000 Euro – oder sogar weniger.
Genau hier wird der Zeitpunkt des Verkaufs interessant.Besonders interessant ist der Verkauf vor einer neuen Generation, wenn:
Gerade bei beliebten Baureihen lohnt sich deshalb ein Blick auf die Modellhistorie:
Auch Kilometerstand, Zustand, Ausstattung, Nachfrage, Saison und regionale Marktsituation spielen eine wichtige Rolle.
Genau deshalb lohnt es sich, nicht einfach vom ursprünglichen Kaufpreis oder von den Preisen vergleichbarer Inserate auszugehen.
Bei estimoto können Motorradbesitzer ihr Motorrad online bewerten lassen und Angebote von Händlern erhalten. Dadurch lässt sich besser einschätzen, welcher Preis aktuell tatsächlich für das eigene Motorrad erreichbar ist.
Unser Tipp: Nicht nur den Listenpreis vergleichenFür Motorradfahrer bedeutet das vor allem eines: mehr Auswahl.
Für Besitzer älterer Modelle kann eine neue Generation dagegen auch eine Veränderung des Gebrauchtwerts bedeuten.
Deshalb gilt: Wer sein Motorrad ohnehin verkaufen möchte, sollte neue Modellgenerationen und EICMA-Premieren im Auge behalten.
Denn manchmal ist nicht der Kilometerstand der entscheidende Faktor für den richtigen Verkaufszeitpunkt – sondern die Frage, wann der Nachfolger auf den Markt kommt.