CFMoto auf dem Vormarsch: Wie chinesische Motorradhersteller den deutschen Markt verändern
Robert
|
10 Juni 2026
|
7 min read
Noch vor einem Jahr spielte CFMoto auf dem deutschen Motorradmarkt praktisch keine Rolle. 2025 tauchte kein einziges Modell der chinesischen Marke in den Top 50 der meistverkauften Motorräder in Deutschland auf. Nur ein einziges chinesisches Motorrad schaffte es damals überhaupt in die Bestsellerliste: die Voge DS 900 X auf Platz 36.
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2026 sieht die Situation plötzlich komplett anders aus.

Laut den aktuellen Zahlen des Industrie-Verbands Motorrad Deutschland e.V. (IVM) wächst CFMoto innerhalb der ersten vier Monate des Jahres um beeindruckende 1302 Prozent. Gleichzeitig tauchen gleich mehrere Modelle der Marke in den Verkaufscharts auf — darunter die 450 MT, die 675 SR-R oder die 800 MT.

Was lange als günstige Nischenware aus China galt, entwickelt sich plötzlich zu echter Konkurrenz für etablierte Hersteller wie Honda, Yamaha, Kawasaki oder BMW.

Chinesische Motorräder werden erstmals sichtbar

Der deutsche Motorradmarkt galt lange als schwierig für chinesische Hersteller. Käufer vertrauten vor allem auf bekannte Marken aus Japan und Europa. Motorräder aus China hatten dagegen oft mit Vorurteilen zu kämpfen:
  • schlechte Verarbeitung,
  • geringe Qualität,
  • schwache Händlernetze,
  • und niedriger Wiederverkaufswert.
Doch genau dieses Bild beginnt sich gerade zu verändern.

Die aktuellen Zahlen zeigen erstmals deutlich, dass chinesische Hersteller nicht mehr nur einzelne Exotenmodelle verkaufen, sondern echte Marktanteile gewinnen.

Krafträder gesamt – Top 10 Hersteller (Januar–April 2026) mit Vorjahresvergleich*
Herstellerab 01.2026
(4 Monate)
Markt­anteilab 01.2025
(4 Monate)
Markt­anteil
Vorjahr
Änd. %
Vorjahr
BMW10 08822,29%9 13325,68%+10,5%
Kawasaki6 77314,96%5 29314,88%+28,0%
Honda6 42314,19%7 15920,13%−10,3%
Yamaha2 9996,63%2 2776,40%+31,7%
KTM2 6045,75%9682,72%+169,0%
Triumph2 5355,60%2 6857,55%−5,6%
CFMoto2 0894,62%1490,42%+1302,0%
Ducati1 8694,13%1 9165,39%−2,5%
Suzuki1 6073,55%1 0713,01%+50,0%
Harley-Davidson1 5833,50%1 0803,04%+46,6%

* Zahlen des Industrie-Verbands Motorrad Deutschland e.V. (IVM): https://www.ivm-ev.de/

Während 2025 praktisch nur Voge mit der DS 900 X sichtbar war, schafft CFMoto 2026 direkt den Sprung unter die zehn erfolgreichsten Motorradmarken Deutschlands.

Besonders bemerkenswert: Dieser Erfolg kommt nicht durch ein einzelnes Sondermodell zustande, sondern durch mehrere Motorräder gleichzeitig.

Die 450 MT trifft den Nerv der Zeit

Im Mittelpunkt des Erfolgs steht vor allem die CFMoto 450 MT.

Die Reiseenduro verkauft sich in den ersten vier Monaten 2026 bereits 653 Mal und liegt damit in unmittelbarer Nähe etablierter Modelle von Honda, Yamaha oder BMW.

Mit der 450 MT gelingt CFMoto der Durchbruch im deutschen Motorradmarkt. Die kompakte Reiseenduro entwickelt sich 2026 zu einem der erfolgreichsten Modelle der Marke.
Das überrascht nicht, denn die 450 MT bedient exakt die Trends, die aktuell den Motorradmarkt prägen:
  • leichte Adventure-Bikes,
  • A2-taugliche Motorräder,
  • alltagstaugliche Reiseenduros,
  • moderne Technik,
  • und ein attraktiver Preis.
Viele Motorradfahrer wollen heute keine 270 Kilogramm schwere Reiseenduro mehr, sondern leichtere und vielseitigere Motorräder für Alltag, Touren und gelegentliche Offroad-Ausflüge.

Genau dort positioniert sich CFMoto sehr geschickt, auch im Vergleich zur neuen BMW F 450 GS.

Denn BMW bringt 2026 erstmals eine kompakte GS-Reiseenduro in dieser Klasse auf den Markt. Die neue F 450 GS startet in Deutschland ab 7.220 Euro und richtet sich gezielt an A2-Fahrer, Einsteiger und Fahrer, die eine leichte Adventure-Maschine suchen.

Die CFMoto 450 MT kostet dagegen ab 6.499 Euro und liegt damit deutlich unter vielen europäischen Wettbewerbern.

Damit konkurrieren beide Motorräder praktisch um dieselbe Zielgruppe:
  • junge Fahrer,
  • preisbewusste Käufer,
  • Reiseenduro-Einsteiger,
  • und Fahrer, die moderne Technik ohne Oberklassepreise suchen.
BMW punktet dabei vor allem mit:
  • Markenimage,
  • GS-Prestige,
  • großem Händlernetz,
  • und hoher Markenbekanntheit.
CFMoto setzt dagegen stärker auf:
  • Preis-Leistung,
  • umfangreiche Ausstattung,
  • modernes Design,
  • und aggressive Marktpositionierung.

Der Erfolg beschränkt sich nicht nur auf die 450 MT

Besonders interessant an den aktuellen Zulassungszahlen ist, dass CFMoto nicht nur mit einem einzelnen Modell erfolgreich ist.
Neben der 450 MT tauchen 2026 gleich mehrere Motorräder der Marke in den Top 50 der meistverkauften Motorräder Deutschlands auf:
  • die sportliche 675 SR-R,
  • die Naked Bike 675 NK,
  • sowie die Reiseenduro 800 MT.
Damit wird deutlich: Der Erfolg von CFMoto basiert nicht nur auf einem kurzfristigen Trendmodell, sondern auf einer deutlich breiteren Modellpalette.

Vor allem die 675 SR-R zeigt, dass die Marke inzwischen auch im sportlichen Segment Käufer erreicht. Die vollverkleidete Sportmaschine verkauft sich in den ersten vier Monaten 2026 bereits fast 500 Mal und gehört damit direkt zu den erfolgreicheren Sportmodellen auf dem deutschen Markt.

Auch die 675 NK positioniert sich in einem besonders wichtigen Segment. Naked Bikes gehören seit Jahren zu den beliebtesten Motorradklassen in Deutschland — traditionell dominiert von Herstellern wie Yamaha, Kawasaki oder Honda.

Die 800 MT wiederum richtet sich an Fahrer, die eine größere Reiseenduro mit umfangreicher Ausstattung suchen, aber keine fünfstelligen Summen für europäische Premium-Modelle ausgeben möchten.

Die CFMoto 800 MT zeigt, dass der Erfolg der Marke nicht nur auf Einsteigermodelle beschränkt ist. Die Reiseenduro positioniert sich als preisattraktive Alternative zu etablierten Adventure-Bikes von BMW, Yamaha oder Honda.
Genau diese breite Aufstellung könnte für CFMoto langfristig entscheidend werden.

Denn erfolgreiche Motorradmarken entstehen meist nicht durch ein einzelnes Modell, sondern durch ein attraktives Gesamtportfolio in mehreren wichtigen Fahrzeugklassen.

Warum CFMoto plötzlich erfolgreich ist

Der Erfolg von CFMoto kommt nicht zufällig. Die Marke hat in den vergangenen Jahren massiv investiert:
  • moderne Entwicklungszentren,
  • Kooperationen mit KTM,
  • bessere Verarbeitung,
  • zeitgemäßes Design,
  • und ein deutlich professionelleres Händlernetz.
Gerade die Zusammenarbeit mit KTM hat das Image der Marke stark verändert. Viele Käufer nehmen CFMoto inzwischen nicht mehr als „Billigmarke“, sondern als ernstzunehmenden Hersteller wahr.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Faktor: Motorräder etablierter Hersteller wurden in den letzten Jahren immer teurer.

Neue Reiseenduros oder Sporttourer kosten heute schnell 15.000 bis 25.000 Euro. Gerade jüngere Fahrer oder Wiedereinsteiger suchen deshalb verstärkt nach günstigeren Alternativen.

Und genau hier treffen Marken wie CFMoto oder Voge aktuell einen Nerv.

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Das Imageproblem: Können Motorradfahrer chinesischen Marken vertrauen?

Trotz der stark steigenden Verkaufszahlen bleibt für Hersteller wie CFMoto oder Voge eine große Herausforderung bestehen: das Vertrauen der Käufer.
Denn viele Motorradfahrer verbinden chinesische Motorräder bis heute mit Vorurteilen aus vergangenen Jahren:
  • einfache Verarbeitung,
  • geringe Haltbarkeit,
  • schwacher Werterhalt,
  • und fehlende Qualität.
Gerade in Deutschland spielt Markenvertrauen im Motorradmarkt traditionell eine besonders große Rolle. Viele Fahrer bleiben ihrer Marke über Jahre oder sogar Jahrzehnte treu. Namen wie BMW, Honda oder Yamaha stehen für jahrzehntelange Erfahrung, ein dichtes Händlernetz und eine hohe Zuverlässigkeit.

Genau deshalb ist der aktuelle Erfolg von CFMoto so bemerkenswert.

Denn offenbar sind immer mehr Käufer bereit, chinesischen Herstellern eine Chance zu geben — vor allem dann, wenn Preis, Ausstattung und modernes Design stimmen.
Zontes gehört zu den weiteren chinesischen Motorradmarken, die zunehmend auf den europäischen Markt drängen. Mit modernen Adventure-Bikes, umfangreicher Ausstattung und aggressiver Preisgestaltung will die Marke neue Käufer gewinnen.
Hinzu kommt: Die Qualitätsunterschiede zwischen etablierten Herstellern und chinesischen Marken werden zunehmend kleiner. Hersteller wie Voge, Zontes und CFMoto investieren inzwischen massiv in Entwicklung, Technik und internationale Kooperationen. Besonders die Zusammenarbeit mit europäischen Herstellern verschafft den Marken zusätzliche Glaubwürdigkeit.

Auch optisch haben viele chinesische Motorräder längst den Anschluss geschafft. Moderne TFT-Displays, hochwertige LED-Technik, Assistenzsysteme oder aggressive Adventure-Designs sorgen dafür, dass viele Modelle inzwischen deutlich hochwertiger wirken als noch vor wenigen Jahren.

Trotzdem bleibt bei vielen Käufern weiterhin eine gewisse Skepsis bestehen:
Genau diese Fragen dürften darüber entscheiden, ob Marken wie CFMoto langfristig wirklich dauerhaft Marktanteile gewinnen können — oder ob der aktuelle Boom nur eine vorübergehende Entwicklung bleibt.

Wie sieht es beim Werterhalt aus?

Der schnelle Aufstieg chinesischer Motorradmarken wirft auch Fragen zum langfristigen Werterhalt auf.

Denn während etablierte Hersteller wie BMW, Honda oder Yamaha seit Jahrzehnten stabile Gebrauchtmärkte besitzen, fehlen für Marken wie CFMoto bislang noch langfristige Erfahrungswerte.

Gerade bei neuen Motorradmarken spielen mehrere Faktoren eine wichtige Rolle:

  • Vertrauen in die Marke,
  • Verfügbarkeit von Ersatzteilen,
  • Händlernetz,
  • Langzeitqualität,
  • und die Nachfrage auf dem Gebrauchtmarkt.
Aktuell profitieren CFMoto-Modelle vor allem von ihrem attraktiven Neupreis und der modernen Ausstattung. Sollte sich die Marke langfristig etablieren, könnten auch die Restwerte stabiler werden.

Allerdings gilt: Je jünger eine Marke auf dem Markt ist, desto schwieriger lässt sich die spätere Wertentwicklung vorhersagen.

Für Käufer bedeutet das: Wer heute ein chinesisches Motorrad kauft, erhält oft viel Ausstattung fürs Geld — geht beim späteren Wiederverkauf aber möglicherweise noch ein etwas höheres Risiko ein als bei etablierten Marken.
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Verändert China gerade den Motorradmarkt?

Noch dominieren BMW, Kawasaki, Honda und Yamaha klar den deutschen Markt. Doch die aktuellen Zahlen zeigen erstmals deutlich, dass chinesische Hersteller beginnen, echte Marktanteile zu gewinnen.

Die Entwicklung erinnert dabei durchaus an den Automarkt: Auch dort wurden chinesische Hersteller lange unterschätzt — bevor sie plötzlich ernsthafte Konkurrenz wurden.

Natürlich bleibt abzuwarten, ob sich der aktuelle Trend dauerhaft fortsetzt. Themen wie Langzeitqualität, Werkstattnetz oder Wiederverkaufswerte werden für viele Käufer weiterhin entscheidend bleiben.

Doch eines zeigen die Zulassungszahlen bereits jetzt sehr deutlich: China-Motorräder sind auf dem deutschen Markt angekommen.

Und Hersteller wie CFMoto könnten den Motorradmarkt in den kommenden Jahren deutlich stärker verändern, als viele bisher erwartet hätten.
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