Motorräder mit Standschäden und Mängeln verkaufen?

Viele Motorradbesitzer kennen das Problem vielleicht. Nachdem man sein Motorrad immer regelmäßig genutzt, gewartet und natürlich auch gepflegt hat kommt manchmal eine Zeit in der das einst geliebte Zweirad in der Garage in Vergessenheit gerät. Die Gründe sind vielseitig angefangen von Hausbau, Nachwuchs oder einer längeren Krankheit. Die Prioritäten verschieben sich, so dass man nicht mehr daran denkt, dass der TÜV abgelaufen ist, die Batterie seit Monaten nicht geladen wurden und die Reifen platt sind. Jeden Tag sieht man seinen Langsteher und verspricht sich mit diesem etwas zu unternehmen. In vielen Fällen kann das Motorrad nicht weitergefahren werden, so dass ein Verkauf in Betracht gezogen wird. Aber was ist der beste Weg um das mittlerweile ungepflegtes und mit Mängeln behaftet Bastlermotorrad zu veräußern? Muss man es wieder fit machen um einen Käufer zu finden und ist das die einzige und beste Lösung?

Schmutziger Kilometerzähler

Die häufigsten Probleme und Kosten die bei Langstehern auftreten können

Batterie: Eine defekte Batterie ist in vielen Fällen schnell getauscht und kostet je nach Modell zwischen 50 EUR und 200 EUR. Es gibt aber auch Motorräder bei den die tiefentladenen Batterie schwer zugänglich ist. In einer Werkstatt kann das dann auch schnell teuer werden.

Vergaser: Bereits nach einigen Wochen Standzeit kann es hier zu Problemen kommen. Schlechte Gasannahme, Fehlzündungen, unrunder Motorlauf sind nur einige der Folgen die auftreten können. Steht ein Motorrad lange unbenutzt, ist eine Reparatur der Vergaser unumgänglich und in der Regel auch mit hohen Kosten verbunden. Mit Preisen ab 350 EUR ist hier mindestens zu rechnen. Schnell kann es aber zu noch höheren Kosten kommen wenn z.B. bestimmte Teile wie Membranen und Düsen irreparabel sind und getauscht werden müssen.

Einspritzanlage: Das gleiche gilt auch bei Fahrzeugen mit modernen Einspritzsystemen. Ist der alte Treibstoff dort erst einmal eingetrocknet hilft auch hier in vielen Fällen nur noch der teure Ersatz.

Rost im Tank: Hat man sein Motorrad vollgetankt abgestellt tritt dieses Problem auch nach längerer Standzeit nicht auf. Befindet sich jedoch Luft im Kraftstofftank ist eine Korrosion nicht weit entfernt. Die Folgen sind nicht unerheblich. Ist der Tank nur leicht befallen kann einen Spülung helfen. Bei deutlich sichtbaren Rost muss einen Versiegelung (ca. 500 EUR) durchgeführt werden oder im schlimmsten Fall ein ganz neuer Tank her (meistens über 1000 EUR).

Undichtigkeiten: Einen verölte Gabel kommt von defekten Gabel-Simmerringen. Unbenutzt werden diese häufig undicht und verölen nicht selten noch die Bremsbeläge, die daraufhin ebenfalls erneuert werden. Hier ist mit kosten ab 300 EUR zu rechnen. Undichtigkeiten an Motoren und Antriebssträngen kommen ebenfalls nicht selten vor.

alte Reifen: Steht das Motorrad erst einmal ein paar Jahre in der Scheune sind meist auch die Reifen überaltert und müssen getauscht werden um eine Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Je nach Motorradmodell sind wir hier auch bei 300 EUR bis 500 EUR.

ABS: Ein regelmäßiger Wechsel der Bremsflüssigkeit ist ein wichtiger Faktor für die richtige Funktion eines ABS-Systems. Bleibt dieser aus steigt auch das Risiko, dass das System den Geist aufgibt. Leider muss man dann auch tief in die Tasche greifen und mit Kosten von über 1500 EUR rechen um es wieder instand zu setzen.

Dies ist nur eine kleine, aber recht häufige Auswahl der Standschäden die bei Zweirädern auftreten können. Selbstverständlich sind noch diverse anderen Mängeln möglich die aus einem einst schönem Motorrad ein Bastlerobjekt oder gar ein Schrott Motorrad machen.

Korrosion im Tank entsteht häufig durch lange Standzeit

Motorräder mit Mängeln verkaufen statt reparieren?

Schaut man sich die Liste der Mängel die bei Motorrädern nach einer längeren Standzeit auftreten können an und summiert die möglichen Kosten zusammen, sollte sich die Frage gestellt werden ob es sinnvoll ist das defekte Motorrad vor einem Verkauf reparieren zu lassen oder es doch lieber günstiger mit den Schäden verkauft. In vielen Fällen kann es sein, dass die Instandsetzungskosten den realen Marktwert deutlich übersteigen. Nach einem Unfall ergibt sich sehr oft das gleiche Problem in Form eines wirtschaftlichen Totalschadens. In solchen Fällen ist der Versuch sein Schrott Motorrad zu verkaufen auf jeden Fall ratsam. Eine kostenlose Motorrad Berwertung werden von vielen Unternehmen angeboten. Außer den bekannten Unternehmen wie DAT und Schwacke werden hier diverse Motorrad Ankauf portale wie Estimoto, wirkaufendeinmotorrad, ichwillmeinmotorradloswerden oder motorrad online verkaufen weiterhelfen können. Dort kann sich ein Kunde in der Regel schnell ein Angebot für den Motorrad Ankauf einholen. In der Regel tummelt sich dort eine Vielzahl an ausländischen Käufern, die gerne ein kaputtes Motorrad, Roller mit Mängeln oder defekte Quads ankaufen um sie nach einem Export ins Ausland wieder herzurichten. Da in einigen Ländern die Lohnkosten deutlich niedriger sind als in Deutschland, ist eine entsprechende Reparatur auch günstiger. Eine weitere Käufergruppe für Motorräder mit Schäden und abgelaufener HU können Ersatzteilverwerter sein. Diese zerlegen ein Motorrad oder Roller in Teile und verkaufen diese als Ersatzteile weiter. Mit einer guten Lagerung und etwas Geduld bei der Vermarktung der Teile, schaffen es solche Unternehmen ein Unfall- oder Strott Motorrad bis zur letzten Schraube zu verkaufen und kommen am Ende noch auf einen Gewinn. Ob man sein Bike nun ins Ausland verkaufen möchte, einem Motorrad Verwerter um die Ecke oder es dann doch repariert, wichtig ist es, jede Option zu prüfen und einen möglichen Verkauf ohne Reparatur in betracht zu ziehen. Dies erspart viel Zeit und kann in manchen Fällen die bessere Option sein.

Tipps beim Verkauf von Bastlermotorrädern:

  • Reinigen Sie ihr Bike trotz der Mängel
  • Suchen Sie alle Motorrad Dokumente zusammen
  • Fertigen Sie viele aussagekräftige Bilder an (besonders der unschönen Stellen!)
  • Beschreiben Sie ihr Motorrad so gut Sie können
  • Bieten Sie ihr Zweirad auf mindestens 3 Plattformen an um die Preise zu vergleichen
  • Vermerken Sie auf einem Kaufvertrag die längere Standzeit und weisen den Käufer auf mögliche Standschäden hin (es muss klar sein, dass ein günstiger Preis auch ein gewisses Risiko mit sich zieht)
  • Schließen Sie immer die Sachmängelhaftung aus

Diese Ratschläge schließen beim Verkauf mögliche Probleme aus und sorgen schon im Vorfeld für einen entspannten Preisfindungsprozess ohne unnötige Anfragen und Telefonate.