Vor diesem Hintergrund gewinnt die Analyse von Angebots- und Nachfragestrukturen auf digitalen Ankaufsplattformen zunehmend an Bedeutung.
Der vorliegende Bericht analysiert das Marktgeschehen auf estimoto im Jahr 2025 und setzt die gewonnenen Erkenntnisse in Beziehung zur allgemeinen Entwicklung des deutschen Motorradmarktes. Im Mittelpunkt stehen dabei die Verteilung der angebotenen Marken und Modelle, das Händlerinteresse, Nachfrageintensitäten sowie besondere Marktphänomene wie seltene Fahrzeuge, hohe Gebote und Preisobergrenzen.
In unserem Bericht sprechen wir folgende Themen an:
Angeführt wurde der Markt von Honda und BMW, die jeweils einen Anteil von knapp 14 % erreichten und damit die beiden wichtigsten Einzelmarken auf der Plattform darstellten.
Ebenfalls stark vertreten waren Yamaha mit etwas mehr als 12 %, gefolgt von Kawasaki mit rund 10 % sowie Suzuki mit gut 9 %.
Diese Marken prägen maßgeblich das Angebot im gebrauchten Motorradsegment und spiegeln ihre hohe Verbreitung im deutschen Fahrzeugbestand wider.
Die genannten Modelle fungieren auf estimoto als Liquiditätsanker:
Ein besonders auffälliges Beispiel für hohe Nachfrage im Verhältnis zum Angebot ist die Yamaha XT660ZA, die modellhistorisch identisch mit der XT660Z ist. Beide Bezeichnungen stehen für dasselbe Motorrad, wobei „ZA“ die Bezeichnung für die ABS-Version ist.
Obwohl dieses Modell im Jahr 2025 lediglich einmal auf der Plattform verfügbar war, erhielt es zehn Händlerangebote. Damit weist es eines der höchsten Nachfrageverhältnisse im gesamten Datensatz auf.Die starke Nachfrage erklärt sich vor allem durch die hohe Knappheit des Modells, seine bewährte und langlebige Technik sowie die breite Einsetzbarkeit als Reise- und Allround-Motorrad. Zudem gilt die XT660ZA als wertstabil, was sie für Händler besonders attraktiv macht. Der Fall zeigt exemplarisch, dass seltene Modelle trotz minimaler Präsenz eine überdurchschnittlich hohe Händleraktivität auslösen können.
Der höchste im Jahr 2025 auf der Ankaufsplattform abgegebene Händlerpreis entfiel auf eine Harley-Davidson Fat Boy 114 Anniversary Edition. Mit einem Spitzengebot von 27.500 Euro markierte dieses Fahrzeug den oberen Preisbereich des gesamten Plattformgeschehens.
Die außergewöhnliche Preisbewertung lässt sich vor allem durch den Sonderstatus der Anniversary Edition, die begrenzte Verfügbarkeit sowie die starke Markenbindung im Harley-Davidson-Segment erklären. Limitierte Modelle erzielen im Gebrauchtmarkt regelmäßig eine überdurchschnittliche Wertstabilität und sprechen eine zahlungskräftige, markentreue Käuferschaft an.
Der Höchstpreis unterstreicht, dass die Ankaufsplattform nicht nur volumenstarke Alltagsmotorräder abbildet, sondern auch als Markt für hochwertige Premium- und Sammlermodelle relevant ist.
Der Gebrauchtmotorradmarkt in Deutschland befindet sich im Jahr 2025 in einer Phase hoher Bedeutung und struktureller Verschiebung. Während der Neumotorradmarkt im gleichen Zeitraum deutliche Rückgänge verzeichnete, entwickelte sich der Gebrauchtmarkt weiterhin stabil und zeigte in einzelnen Segmenten sogar eine steigende Nachfrage. Diese Entwicklung ist Ausdruck veränderter Konsumgewohnheiten, wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und einer wachsenden Preissensibilität der Käufer.
Ein zentraler Treiber des Gebrauchtmarktes ist die verringerte Neufahrzeugverfügbarkeit, die Einführung der Euro-5+-Norm, sowie das gestiegene Preisniveau neuer Motorräder. Höhere Anschaffungskosten, längere Lieferzeiten und steigende Betriebskosten führen dazu, dass sich viele Käufer gezielt dem Gebrauchtsegment zuwenden. Besonders gefragt sind dabei wertstabile Modelle etablierter Hersteller, die ein gutes Verhältnis aus Preis, Zuverlässigkeit und Wiederverkaufswert bieten.
Die Nachfrage konzentriert sich vor allem auf mittelklassige Naked Bikes, Adventure- und Touring-Modelle sowie auf 125-cm³-Fahrzeuge. Letztere profitieren von einer konstant hohen Nachfrage durch Einsteiger, Pendler und urbane Nutzer. Modelle mit bewährter Technik, breiter Einsetzbarkeit und gutem Markenimage erzielen besonders kurze Standzeiten und hohe Aktivität.
| Motorrad-Typ | ab 01.2025 (11 Monate) | Marktanteil | ab 01.2024 (11 Monate) | Marktanteil Vorjahr | Änd. in % zum Vorjahr |
|---|---|---|---|---|---|
| Kraftrad | 95190 | 60.53% | 134516 | 61.39% | -29.2% |
| Leichtkraftroller | 24569 | 15.62% | 31021 | 14.16% | -20.8% |
| Leichtkraftrad | 21035 | 13.38% | 32784 | 14.96% | -35.8% |
| Kraftroller | 13844 | 8.80% | 17533 | 8.00% | -21.0% |
| Vierrädriges Kfz | 1792 | 1.14% | 1755 | 0.80% | +2.1% |
| Dreirädriges Kfz | 826 | 0.53% | 1516 | 0.69% | -45.5% |
| Gesamt | 157256 | 100% | 219125 | 100% | -28.2% |
Ein wesentlicher Faktor für die schwache Entwicklung des Neumotorradmarktes im Jahr 2025 ist die Umstellung auf die Euro-5+-Abgasnorm. Die verschärften Emissionsanforderungen traten für Neuzulassungen vollständig in Kraft und stellten Hersteller wie Händler vor zusätzliche Herausforderungen. Gleichzeitig kam es im Vorfeld der Euro-5+-Umstellung zu Vorzieheffekten: Viele Fahrzeuge wurden bereits im Jahr 2024 zugelassen, um noch nach der vorherigen Norm verkauft werden zu können. Diese Sonderzulassungen reduzierten das Marktpotenzial im Jahr 2025 deutlich und verstärkten den statistischen Rückgang der Neuzulassungen.
Die allgemeine wirtschaftliche Lage (darunter auch die hohen Finanzierungskosten) führt zu höherer Zurückhaltung bei größeren Anschaffungen. Motorräder gelten für viele Käufer als Freizeit- oder Zusatzfahrzeuge und werden in unsicheren Zeiten häufiger aufgeschoben.
Der deutliche Rückgang im Neumotorradmarkt 2025 steht in starkem Kontrast zur weiterhin hohen Aktivität im Gebrauchtsegment. Für Händler und Hersteller bedeutet dies eine zunehmende Verschiebung der Marktgewichte: Während der Absatz neuer Fahrzeuge unter Druck steht, gewinnt der Handel mit Gebrauchtmotorrädern weiter an strategischer Bedeutung.
Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zeigt sich im Gebrauchtsegment eine anhaltend hohe Dynamik, mit steigenden Besitzumschreibungen gegenüber dem Vorjahr. Auch in der längerfristigen Betrachtung bestätigt sich dieser Trend: Der Gebrauchtmarkt verzeichnet eine spürbare Belebung und entwickelt sich deutlich stabiler als das Neufahrzeuggeschäft. Die Nachfrage nach gebrauchten Motorrädern spiegelt damit die aktuelle Stimmung der deutschen Biker besonders treffend wider.
Während der Absatz neuer Fahrzeuge von Zurückhaltung geprägt ist, bleibt das Interesse an gebrauchten Bikes ungebrochen. Motorräder behalten ihren Stellenwert als beliebtes Freizeit- und Alltagsfahrzeug – viele Käufer setzen dabei bewusst auf den Gebrauchtmarkt als wirtschaftlich attraktive und sofort verfügbare Alternative.
Der Bericht zeigt deutlich, dass sich der deutsche Motorradmarkt 2025 zunehmend zugunsten des Gebrauchtsegments verschiebt. Während der Neumotorradmarkt unter strukturellen und regulatorischen Belastungen leidet, gewinnt der Handel mit gebrauchten Motorrädern weiter an Bedeutung. Die Analyse der Angebots- und Nachfragestruktur auf estimoto bestätigt diese Entwicklung eindeutig.
Ein zentrales Signal hierfür ist der wachsende Anteil der in den letzten zwölf Monaten abgewickelten Verkäufe. Bei volumenstarken Marken wie Honda, BMW und Kawasaki entfiel jeweils rund ein gutes Viertel bis knapp ein Drittel aller bislang realisierten Verkäufe auf das letzte Jahr allein. Diese Entwicklung deutet auf eine zunehmende Dynamik und steigende Nutzung der Plattform hin – sowohl auf Verkäufer- als auch auf Händlerseite.
Gleichzeitig zeigt die hohe Zahl konkurrierender Händlerangebote pro Fahrzeug, dass der Wettbewerb um attraktive Gebrauchtmotorräder spürbar zunimmt. Für private Verkäufer bedeutet dies eine verbesserte Markttransparenz, realistische Preisfindung und kürzere Verkaufszeiten. Händler wiederum profitieren von effizientem Zugang zu gefragten Fahrzeugen in einem zunehmend angespannten Neumarkt.
Vor dem Hintergrund eines rückläufigen Neumotorradabsatzes, steigender Neupreise und regulatorischer Veränderungen ist davon auszugehen, dass die digitale Motorrad-Verkaufsplattform estimoto weiter an Relevanz gewinnt. Die Plattform entwickeln sich zunehmend zu einem zentralen Bindeglied zwischen Angebot und Nachfrage und übernimmt eine stabilisierende Rolle im Gesamtmarkt.